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Uniter
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Uniter e.V. (lateinisch uniter âin eins verbundenâ) war ein Verein ehemaliger und aktiver Soldaten und Polizisten, der Waffentrainings durchfĂŒhrte und die Ausbildung der Nationalpolizei auf den Philippinen unterstĂŒtzte. Er wurde erstmals 2012, erneut 2016 gegrĂŒndet und 2020 formell aufgelöst, besteht jedoch als Prepper-Netzwerk unter anderen Decknamen fort.
Der Verein stellte sich als ĂŒberparteiliches, unpolitisches und verfassungskonformes Netzwerk zur Kontaktpflege und Weiterbildung von SicherheitskrĂ€ften dar, gehörte jedoch zum rechtsextremen âHannibalâ-Netzwerk.
2019 entzog das Finanzamt Stuttgart dem Verein die GemeinnĂŒtzigkeit. Im Oktober 2020 ergingen Strafbefehle gegen den Verein und mehrere Mitglieder wegen verschiedener VerstöĂe gegen Waffen- und Sprengstoffgesetze. Seit 2021 fĂŒhrt der VereinsgrĂŒnder seine rechtsextremen NetzaktivitĂ€ten unter dem Deckmantel eines Kaffeeversands als Black Ops Coffee-Community fort. Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz (BfV) stuft sein Netzwerk als âgesichert rechtsextremistischâ ein.
Contents
âą Mitglieder
⹠AktivitÀten
âą Reaktionen
âą Proteste
âą Strafverfolgung
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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ErstgrĂŒndung 2012
Laut rund einjĂ€hriger Recherchen der taz grĂŒndete der Bundeswehrsoldat Andre S. (Pseudonym âHannibalâ) erstmals 2012 in Halle (Saale) einen Verein namens Uniter. Der Zweck war, Elitesoldaten, Polizisten und PersonenschĂŒtzer verschiedener BundeslĂ€nder miteinander zu vernetzen. Zudem sollte der Verein Soldaten der Bundeswehreliteeinheit Kommando SpezialkrĂ€fte (KSK) eine Berufsversicherung ermöglichen. Dazu hatte sich der GrĂŒnder zuvor mit einem Versicherungsfachmann der Allianz Versicherung aus Halle beraten, der eine entsprechende Versicherungspolice an Uniter-Mitglieder verkaufte. Gegen Andre S. wurde 2015 durch den Generalbundesanwalt ermittelt, weil der Verdacht bestand, dass er geheime Interna aus KSK-Kreisen ĂŒber EinsĂ€tze in Afghanistan an die Frankfurter Allgemeine Zeitung weitergegeben hatte.
Weil ein MitgrĂŒnder sich als frĂŒherer Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit herausstellte, zerstritt sich die GrĂŒndungsgruppe und löste den Verein wieder auf. Dieser blieb aus unbekanntem Grund jedoch registriert.cite-ref-taz1-1-0[1]
Bis zu seiner Auflösung hatte der erste Verein etwa 40 Mitglieder. Darunter waren einige Bekannte von AndrĂ© S. aus einer Freimaurerloge, die sich mit VersicherungsbĂŒrokratie auskannten. Sie sollten KSK-Soldaten ĂŒber den Verein eine billigere Versicherung ermöglichen. Formal blieb der Verein noch bis in das Jahr 2019 hinein eingetragen.cite-ref-taz2-2-0[2]
ZweitgrĂŒndung 2016
Ab 2015 grĂŒndete AndrĂ© S. mehrere Chatgruppen im Messengerdienst Telegram fĂŒr Prepper, die VorrĂ€te anlegen, um einen erwarteten Zusammenbruch der staatlichen Ordnung an einem âTag Xâ zu ĂŒberleben. Diesen nach Regionen (Nord, SĂŒd, Ost, West, Ăsterreich, Schweiz) gegliederten Gruppen des âHannibalâ-Netzwerks gehörten aktive Soldaten, Reservisten, Kriminalpolizisten, SEK-Beamte, AnwĂ€lte, Feuerwehrleute und andere an. In ihren Chats besprachen sie auch rechtsextreme PlĂ€ne, als Gegner eingestufte linksgerichtete Politiker, Aktivisten und Personen festzusetzen und zu töten. Zur Chatgruppe SĂŒd gehörte Franco A., dessen Festnahme ab 2017 Terrorermittlungen gegen Bundeswehrsoldaten auslöste. Danach schloss AndrĂ© S. seine Chatgruppen. Im Sommer 2016 hatte er in Stuttgart Uniter e. V. erneut gegrĂŒndet. Der Verein erhielt einen neuen Vorstand und ist ebenso gegliedert wie das Hannibal-Netz.cite-ref-taz1-1-1[1] Er war bis zum Herbst 2019 gemeinnĂŒtzig.cite-ref-tagesschau28feb2020-3-0[3]
Nach der Auflösung des deutschen Vereins fĂŒhrt âUniterâ seine AktivitĂ€ten seit 2021 in Form von 'Black Ops Coffee' und der 'Black Ops Coffee-Community' fort.cite-ref-0-4-0[4]
Mitglieder
Der Verein gab bis Ende 2019 eine Gesamtzahl von rund 2000 Mitgliedern an. Die tatsĂ€chliche Zahl wird weit niedriger eingeschĂ€tzt, etwa weil bei der Jahreshauptversammlung 2018 laut Protokoll nur sechs von sieben ordentlichen Mitgliedern als anwesend vermerkt wurden. Vom Hallenser VorlĂ€uferverein blieb nur ein Bundeswehrkamerad von AndrĂ© S. dabei. FĂŒr die Stuttgarter NeugrĂŒndung gewann er wieder Soldaten, Polizisten und Freimaurer. Vorstandsvorsitzender wurde der aus Eisenach stammende Ringo M., damals Mitarbeiter des Landesamtes fĂŒr Verfassungsschutz Baden-WĂŒrttemberg.cite-ref-taz2-2-1[2]
Ringo M. gehörte von 2005 bis 2014 zur rund 50-köpfigen Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) 523 der Bereitschaftspolizei in Böblingen. Deren Leiter war der ausgebildete PrĂ€zisionsschĂŒtze Thomas B. Zu der Einheit gehörte ein frĂŒheres Ku-Klux-Klan-Mitglied mit Kontakten zum Umfeld des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU). Thomas B. reiste ab Oktober 2005 im Auftrag der norddeutschen Firma BDB Protection mit mindestens 30 aktiven oder ehemaligen deutschen Polizisten und Soldaten mehrmals nach Libyen, um dort SicherheitskrĂ€fte fĂŒr den Diktator Muammar al-Gaddafi auszubilden. Anfang 2013 wurde Thomas B. wegen schwerer Dienstvergehen in den Ruhestand versetzt. 2014 grĂŒndete er mit einem befreundeten SEK-Beamten eine Sicherheitsfirma in Stuttgart, die Firmen berĂ€t, die Mitarbeiter in unsichere Staaten schicken wollen. Er hatte bis mindestens MĂ€rz 2019 Kontakt zu AndrĂ© S.; ob er selbst Mitglied im Hannibalnetz oder bei Uniter war oder ist, lieĂ sich nicht belegen. Seine Firma macht mit Uniter kleinere GeschĂ€fte, vermittelte Kontakt zu einem Versicherungsvertreter und stellte Uniter-Mitglieder als Sicherheitsleute an. Ein weiterer frĂŒherer BFE-Ausbilder ist der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hess.cite-ref-taz3-5-0[5]
Bei der Bereitschaftspolizei war Ringo M. Vorgesetzter von MichĂšle Kiesewetter, die am 25. April 2007 beim Polizistenmord von Heilbronn vom NSU getötet wurde. Kiesewetter soll sich zuvor mehrfach ĂŒber Ringo M. beschwert haben, was dieser jedoch bestreitet. Im April 2019 wurde M. vom NSU-Untersuchungsausschuss des ThĂŒringer Landtages zu seinem VerhĂ€ltnis zu Kiesewetter, zu möglichen rechten Tendenzen in seinem damaligen Arbeitsumfeld bei der Bereitschaftspolizei und zu HintergrĂŒnden seiner Mitwirkung bei Uniter befragt.cite-ref-mdr-100-6-0[6]cite-ref-taz4-7-0[7]
Seit Herbst 2015 war Ringo M. beim Landesverfassungsschutz in der Abteilung âInternationaler Extremismus und Terrorismusâ tĂ€tig, aus der er Ende 2018 von Innenminister Thomas Strobl (CDU) abgezogen wurde, nachdem erste EnthĂŒllungen ĂŒber zweifelhafte AktivitĂ€ten von Uniter an die Ăffentlichkeit gelangt waren.
Ringo M. trat offiziell am 16. Januar 2017 (kurz vor der Festnahme von Franco A.) aus dem Uniter-Vorstand aus, blieb aber mit AndrĂ© S. Mitglied eines Ritterordens. Als Austrittsgrund gab er 2019 an, die frĂŒheren Mitglieder seien ihm zu militaristisch gewesen. Mitglieder des VorlĂ€ufervereins wollten jedoch nach Eigenangaben ebenfalls nichts mit Prepperthemen und paramilitĂ€rischen Ăbungen zu tun haben. Am 10. MĂ€rz 2019 deckte die taz auf, dass mit Ringo M. ein Verfassungsschutzmitarbeiter den Verein mitgegrĂŒndet hatte. Am 11. MĂ€rz 2019 wurde im Vereinsregister in Stuttgart ein neuer Vorstand eingetragen. Vorsitzende sind zwei MĂ€nner, die in der Schweiz leben und den Verein von dort aus lenken.cite-ref-taz3-5-1[5]
Ringo M. arbeitet seit MĂ€rz 2020 fĂŒr die baden-wĂŒrttembergische Kriminalpolizei. Laut dem Innenministerium des Bundeslandes gab es bei SicherheitsĂŒberprĂŒfungen âkeine Hinweise auf eine extremistische Gesinnung des Mitarbeitersâ.cite-ref-8[8]
Zum Uniter-Vorstand gehörte bis 2017 auch ein CDU-Abgeordneter im Landtag von Baden-WĂŒrttemberg. Bis Ende 2018 waren nach Mitgliederlisten, Ermittlungsunterlagen und taz-Recherchen mindestens zwölf Mitglieder des âHannibalâ-Netzes auch bei Uniter aktiv. In ihren GesprĂ€chen setzten sie die Uniter-Strukturen mit den Chatgruppen gleich. Gegen sechs davon wurde 2017 im Zuge der Terrorermittlungen zu Rechtsextremisten in der Bundeswehr ermittelt. Zu den Vereinsmitgliedern gehörten ein PersonenschĂŒtzer des Deutschen FuĂball-Bundes fĂŒr die deutsche FuĂballnationalmannschaft, der Sicherheitschef des Autovermieters Sixt und ein leitender Mitarbeiter des RĂŒstungsunternehmens Diehl Defence. Dieser soll an einem Sicherheitskonzept fĂŒr eine Reise von Mitarbeitern des Unternehmens nach Saudi-Arabien mitgewirkt haben. Das Unternehmen bestritt jedoch jede aktuelle Zusammenarbeit mit Uniter.cite-ref-taz1-1-2[1]
Nach einem Bericht bei derStandard.at vom 15. MĂ€rz 2019 verlinkte auch Brenton Tarrant, der beim Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch 51 Menschen ermordet hatte, auf das Umfeld von Uniter.cite-ref-9[9]
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Hauptartikel
:
Fall Robert Möritz
Im Dezember 2019 stellte sich heraus, dass auch drei CDU-Politiker aus Sachsen-Anhalt Vereinsmitglieder waren. Der CDU-Kommunalpolitiker Robert Möritz trug das Vereinssymbol auf einem Profilfoto. Daraufhin wurde auch seine frĂŒhere NĂ€he zum Neonazismus aufgedeckt. Er gab an, er sei bis zum 15. Dezember 2019 aus Uniter ausgetreten, gehört aber weiterhin zum âkonservativen Kreisâ in der Landes-CDU. Diese lehnte es ab, ihn auszuschlieĂen, und löste damit eine Krise in der regierenden Kenia-Koalition im Landtag aus. Am 20. Dezember trat Möritz schlieĂlich aus der CDU aus.cite-ref-10[10]
Auch der Berufsschullehrer und Bundeswehrreserveoffizier Kai MehliĂ gehörte laut Presseberichten bis Mitte Dezember 2019 zu Uniter. Er war Beisitzer im CDU-Kreisvorstand in Anhalt-Bitterfeld und wie Robert Möritz aktives Mitglied des âKonservativen Kreisesâ. Zudem ist MehliĂ Vorsitzender einer Freimaurerloge in Bernburg. DarĂŒber kannte er manche Akteure des ersten Unitervereins. Er besaĂ eine Uniter-Mailadresse fĂŒr VereinsfunktionĂ€re. In seinem Wohnsitz in Bernburg fand Anfang Dezember ein Regionaltreffen des Vereins statt, genannt âSecurity Round Table Sachsen-Anhaltâ. Dort sollen AktivitĂ€ten fĂŒr 2020 geplant worden sein. Nach Angaben der CDU Sachsen-Anhalt trat MehliĂ infolge der Berichte und auf internen Druck hin aus Uniter aus. Dabei gab der Verein nach Eigenangaben einer âauĂerordentlichen KĂŒndigungâ statt. Laut taz benutzt MehliĂ jedoch weiter seine Uniter-Mailadresse.cite-ref-taz2-2-2[2]
Laut Berichten der taz und des Rechercheportals lsa-rechtsaussen.net vom Juni 2020 hatte MehliĂ zudem Kontakt zu einer rechtsextremen Preppergruppe aus Bundeswehrreservisten. Sie besorgten sich Waffen und absolvierten mutmaĂlich illegale SchieĂtrainings in JĂŒdenberg, um sich laut internen Chats auf einen âRassenkriegâ vorzubereiten. Neben MehliĂ gehörten auch ein Mitarbeiter der AfD-Landtagsfraktion und ein Mitglied eines Coronakrisenstabs in Sachsen-Anhalt zu der Preppergruppe.cite-ref-taz12jun2020-11-0[11] Ihre Chatgruppe âGermania Leipzigâ gehörte zur Leipziger Burschenschaft Germania. Darin hatte MehliĂ dem frĂŒheren AfD-Mitarbeiter Michael Volker Schuster zur Beförderung als Bundeswehrreservist mit den Worten gratuliert: âHerzlichen GlĂŒckwunsch und Sieg Heil, Herr Hauptmann!â In der Chatgruppe wurde unter anderem ĂŒber Treffen mit gleichgesinnten âNSâ (Nationalsozialisten), den âAufbau einer militĂ€rischen Einheitâ und ein gezieltes Einschleusen in die Bundeswehr diskutiert, um an Pistolen, eine SchieĂausbildung und Waffenscheine zu gelangen. Angesichts dieser Belege beschloss der Vorstand der CDU Sachsen-Anhalt am 12. Juni 2020 einstimmig, MehliĂ aus der Partei auszuschlieĂen. Die Stadtratsfraktion in Bernburg entfernte alle Informationen zu ihm von ihrer Webseite. Um dem Parteiausschluss zuvorzukommen, trat MehliĂ am selben Tag aus der CDU aus und gab auch sein Amt als Vizevorsitzender des Arbeitersamariterbunds von Sachsen-Anhalt auf.cite-ref-jw15jun2020-12-0[12] Er hatte bestritten, dass die zitierten Chataussagen von ihm stammten, hĂ€tte beim Ausschlussverfahren aber den ganzen Chatverlauf vorlegen und beweisen mĂŒssen, dass der Verlauf gefĂ€lscht sei.cite-ref-13[13]
Die Berichte deckten auch auf, dass die beteiligten CDU-Mitglieder hochqualifiziert und ihre schlagende Burschenschaft mit dem neurechten Institut fĂŒr Staatspolitik in Schnellroda vernetzt ist. Laut dem Politikpsychologen Thomas Kliche zeigt das âein ganz neues Profil rechtsextremer Strategienâ. Diese Leute seien âzivilgesellschaftlich prĂ€sent. Sie treten nicht als Rechtsextreme auf, sondern die haben eine sehr nette prosoziale Fassade. Die machen also deutlich: âWir tun etwas fĂŒr die Weltâ und hintenrum planen sie einen BĂŒrgerkriegâ. Dazu versuchten sie, die CDU Sachsen-Anhalt und andere Parteien zu unterwandern, etwa um zu testen, wie stark deren Widerstand gegen das Zusammengehen mit der AfD sei.cite-ref-14[14]
Laut dem Registereintrag des Amtsgerichts Stendal grĂŒndete Theodor S., bis 2019 CDU-Stadtrat in Sandersdorf-Brehna, im Juni 2012 den ersten Uniter-Verein in Halle mit und wurde einstimmig zum zweiten Vorsitzenden gewĂ€hlt. Der Vorsitzende kam aus Gerbstedt im SĂŒdharz, der dritte Vorsitzender wurde AndrĂ© S. (âHannibalâ) aus Halle. Weil damit drei von fĂŒnf Vorstandsmitgliedern aus Sachsen-Anhalt kamen, entstand der Verdacht einer organisierten Zusammenarbeit zwischen Uniter und der regionalen CDU. Theodor S. gab die Mitgliedschaft zu, betonte aber, der frĂŒhere Uniter-Verein habe nichts mit dem neuen Verein zu tun und sei nur eine Reservistenkameradschaft gewesen. Mit AndrĂ© S. habe er seit vier Jahren keinen Kontakt mehr, Möritz kenne er auch nicht.cite-ref-rnd17dez2019-15-0[15] Theodor S. trat am 18. Dezember 2019 aus dem Verein aus,cite-ref-16[16] verteidigte aber die VereinsgrĂŒndung.cite-ref-17[17]
Laut WDR traten Mitte November 2019 nach einem Streit mit dem Vorstand mehrere Mitglieder mit Funktionen im Verein, auch aus dem engeren FĂŒhrungskreis, geschlossen aus. Darunter waren der âLandesdistriktleiter Deutschlandâ und sein damaliger Stellvertreter. Sie hatten Ăffentlichkeitsarbeit fĂŒr Uniter gemacht, zahlreiche Veranstaltungen organisiert und den Verein gegen Kritik verteidigt. Nun warfen sie dem Vorstand Intransparenz vor: Obwohl zwei Schweizer als FĂŒhrungspersonen im Vereinsregister eingetragen seien, wĂŒssten teils auch hochrangige FĂŒhrungsmitglieder nicht, wer den Verein tatsĂ€chlich fĂŒhrt. Der Vorstand wollte auf Anfrage zu Vereinsinterna keine Auskunft geben und die Namen der aktuellen Vorstandsmitglieder nicht mitteilen. Anfang Dezember 2019 hatte er in einem Rundschreiben mitgeteilt, der deutsche Vereinszweig sei âpersonell umstrukturiertâ worden.cite-ref-18[18]
Ende Februar 2020 gab Uniter den Schweizer Ort Rotkreuz als neuen Vereinssitz bekannt. Bereits im April 2019 hatte ein Vereinssprecher diesen Umzug angekĂŒndigt und erklĂ€rt, man wolle damit die eigene NeutralitĂ€t zeigen und sehe die NĂ€he zu den vielen in der Schweiz ansĂ€ssigen UNO-Organisationen als Vorteil.cite-ref-19[19]
Zwei Beamte im PolizeiprĂ€sidium Potsdam waren seit 2019 als Mitglieder von Uniter bekannt und sollen nach internen GesprĂ€chen aus dem Verein ausgetreten sein. Im FrĂŒhjahr 2020 wurde ihr Abfrageverhalten im polizeilichen Auskunftssystem geprĂŒft. Beide hatten Abfragen ohne nachvollziehbaren dienstlichen Bezug durchgefĂŒhrt, der eine zu mindestens einem ehemaligen Unitermitglied, zu sich selbst und seinem familiĂ€ren Umfeld, der andere recherchierte im Einsatzdokumentationssystem. Die Polizei in Brandenburg ermittelt, ob sie die Daten an Dritte weitergaben. Ihnen wurde der Zugang zu den Systemen entzogen und Disziplinarverfahren wurden eingeleitet. Offenbar veranlasste eine Medienanfrage vom MĂ€rz 2020, ob ein Polizeibeamter Datenbanken missbraucht habe, die interne PrĂŒfung.cite-ref-20[20]
AktivitÀten
2017 wurde Uniter Mitglied in der Lazarus-Union in Ăsterreich und erhielt Merkmale einer Sekte: Mitglieder, die Fechten oder Reiten lernten, konnten in sogenannte Grade aufsteigen. Nach Berichten von Aussteigern sollen Neulinge mit Kapuzen ĂŒber dem Kopf in Freimaurertempel gefĂŒhrt worden sein, wo Rituale mit Fackeln stattgefunden hĂ€tten. Es gab Workshops etwa fĂŒr Messerkampf. Die Teilnehmer sollten sich immer als Einheit gegen einen Ă€uĂeren Feind begreifen lernen.cite-ref-taz1-1-3[1]
Ringo M., einige Polizisten und KSK-Mitglieder bei Uniter lieĂen sich in der Lazarus-Union zum Ritter schlagen. Einige Freimaurer unter den Uniter-Mitgliedern nahmen 2018 an einem Ball der von Soldaten gefĂŒhrten American Canadian Grand Lodge teil und lieĂen sich dort mit SchĂ€rpen und Ansteckern mit dem Vereinslogo fotografieren.cite-ref-taz2-2-3[2]
Bei einem FuĂballspiel in Hamburg im Juni 2018 trat erstmals eine SanitĂ€tergruppe des Vereins (Medical Response Unit, MRU) auf. Mit solchen TĂ€tigkeiten versucht der Verein Spezialisten anzuwerben und Einnahmequellen zu erschlieĂen. Die Gruppe traf sich bald darauf erneut zu SchieĂĂŒbungen auf einem Ăbungsplatz in Mosbach und in Ulm. Die Teilnehmer vermummten sich und trugen militĂ€rische AusrĂŒstung und Uniformen. Sie trainierten SchieĂen und gleichzeitig Versorgen von Verwundeten, laut Einladung angeleitet von einem ehemaligen KSK-Soldaten.
Angeleitet von AndrĂ© S. trainierte im Juni 2018 auch eine bewaffnete Kampfeinheit des Vereins namens Defence in Mosbach. Experten hielten die auf einer Fotografie sichtbaren Gewehre der Einheit fĂŒr wahrscheinlich echt, die Teilnehmer hĂ€tten einen professionellen Hintergrund. Der Verein bestritt dies und teilte mit, in Mosbach habe ein Selbstverteidigungskurs mit Waffenattrappen stattgefunden. Die dafĂŒr erforderliche Genehmigung auf dem ĂbungsgelĂ€nde holte der Verein jedoch nicht ein. Der Zweck der Defence-Gruppe war unklar; falls der Verein eigene Kampftrainings anbot und diese Gruppe als eigene Kampfeinheit unterhielt, wĂ€re sie sein paramilitĂ€rischer Arm.cite-ref-21[21] Im Oktober 2018 sprachen Mitglieder auf einer Facebookseite des Vereins von einer âKommandopipelineâ. Alle hĂ€tten das erste Training bestanden, die Kommandoausbildung könne beginnen. Den Ausdruck Pipeline verwendet man in der KSK bei der Ausbildung von Kommandosoldaten. Wozu ein ziviler Verein eigene Kommandosoldaten ausbildet, ist unklar. Das Innenministerium in Baden-WĂŒrttemberg fand bei den Ermittlungen gegen Franco A. keine rechtsextremen BezĂŒge des Vereins. Dennoch kĂŒndigte das Ăbungszentrum in Mosbach die Zusammenarbeit mit Uniter e. V. auf.cite-ref-taz1-1-4[1]
Im Februar 2019 boten Uniter-Mitglieder Polizisten und Soldaten der Philippinen in Manila ein privat organisiertes, auf zwei bis vier Jahre angelegtes militĂ€rtaktisches Training an. Zu den rund 36 ersten Teilnehmern gehörte ein frĂŒherer Provinzgouverneur. Sie zeigten sich auf Fotografien mit ausgestreckter rechter Faust als AnhĂ€nger des philippinischen PrĂ€sidenten Rodrigo Duterte. Einige trugen Camouflage oder Schutzwesten und Gewehre im Anschlag. Als Trainingsziel gab Uniter an, die Teilnehmer auf Extremsituationen vorzubereiten; sie brĂ€uchten dazu keine Vorkenntnisse an Waffen. Teilgenommen hĂ€tten âhochrangige Mitglieder der Polizei, von Heer, Luftwaffe und der Navy, aber auch Mitarbeiter staatlicher Dienste und freier Sicherheitsfirmen, der Berufsfeuerwehr sowie einige Diplomaten und AnwĂ€lteâ. Das Land nannte der Bericht nicht. Der Kurs sollte auch neue Mitglieder fĂŒr das internationale Netzwerk gewinnen. Absolventen erhielten ein Abzeichen mit einem Wolfskopf mit gefletschten ZĂ€hnen und der Inschrift âSemper Fidelisâ (lat.: âfĂŒr immer treuâ).cite-ref-taz3-5-2[5]
Nach Vereinsdokumenten aus den Jahren 2017 und 2018,cite-ref-22[22] Zeugenaussagen und Recherchen der taz ist Uniter hierarchisch in fĂŒnf bis sieben RĂ€nge gegliedert. Ein Schaubild veranschaulicht die Vereinsstruktur als Pyramide aus Mitgliedern, darĂŒber Kuratorium und Vorstand, an der Spitze das aus GeheimbĂŒnden bekannte âAuge der Vorsehungâ. FĂŒr den Aufstieg in den dritten Rang sind nach einem von âHannibalâ verfassten Text Kampftraining, Kenntnisse in MilitĂ€rtaktik, Nahkampf, Selbstverteidigung und Umgang mit Waffen sowie âWillen, Standhaftigkeit und Ausdauerâ und lebenslange LoyalitĂ€t gefordert. Der Aufstieg in den fĂŒnften Rang soll demnach mit einem sektenartigen Ritual vollzogen werden, das eine symbolische Tötung mit Schwertern, eine Wiederauferstehung und das Trinken von Rotwein aus einem menschlichen TotenschĂ€del enthĂ€lt. FĂŒr den Aufstieg zum Distriktleiter wird ein Treueschwur auf eine mit dem Uniter-Symbol bedruckte Deutschlandfahne verlangt. Nach einem als âKommando-Pipelineâ bezeichneten Ablaufplan sollte das 2018 aufgedeckte paramilitĂ€rische Training des Vereins 30 Module in vier Stufen umfassen, vom taktischen Bewegen im stĂ€dtischen HĂ€userkampf ĂŒber Nahkampf in Gebirge, Wasser, Luft bis hin zur âGefechtsbereitschaftâ. Nach Chatnachrichten âHannibalsâ wollte er damit weltweit einsetzbare âgute Infanteristenâ ausbilden. Neue Mitglieder sollten von diesen Vereinszielen zunĂ€chst nichts erfahren und erst nach ZuverlĂ€ssigkeitsprĂŒfungen allmĂ€hlich eingeweiht werden. Distriktleiter wurden zur Verschwiegenheit verpflichtet und durften keine Kontakte zur Presse haben.cite-ref-23[23]
Der Verein bot seinen Mitgliedern ĂŒber eine interne Jobbörse Jobs bei Sicherheitsfirmen und Behörden an. Im April 2018 suchte ein Unitermitglied fĂŒr eine Ravensburger Sicherheitsfirma in der Chatgruppe nach einem Stellvertreter fĂŒr die Landeserstaufnahmestelle fĂŒr Asylbewerber Sigmaringen. Die Sicherheitsfirma distanzierte sich spĂ€ter auf Nachfrage von dem Verein und erklĂ€rte, man habe von der Jobbörse nichts gewusst. Ein vom Energiekonzern RWE beauftragtes Subunternehmen setzte im Juni 2019 Unitermitglieder fĂŒr die âverdeckte Ăberwachung des Ă€uĂeren Ringes des GelĂ€ndes von RWEâ in Garzweiler ein. Dies richtete sich gegen ein AktionsbĂŒndnis gegen den Braunkohleabbau. Die eingestellten Personen sollten laut einem RWE-Sprecher âAktivisten vor einem Eindringen in den Tagebau [âŠ] warnenâ. Ihre Mitgliedschaft bei Uniter sei dem Konzern nicht bekannt.cite-ref-24[24]
Reaktionen
Beobachtung durch Sicherheitsbehörden
Nachdem ein KSK-Mitglied sich bei den Terrorermittlungen gegen Bundeswehrsoldaten 2017 als Uniter-Mitglied herausstellte, beobachtete die Generalbundesanwaltschaft den Verein. Der Verfassungsschutz Baden-WĂŒrttemberg versetzte Ringo M. Mitte 2019, nachdem dessen Vereinsmitgliedschaft bekannt geworden war.cite-ref-25[25]
Das Bundesverteidigungsministerium schĂ€tzte den Verein im Februar 2019 als ungefĂ€hrlichen UnterstĂŒtzerverein fĂŒr aktive und ehemaliger Angehörige von Bundeswehr, Polizei und anderen Sicherheitsorganen ein.cite-ref-mdr-100-6-1[6] Auch die Bundesregierung stellte noch im Dezember 2019 fest, der Verfassungsschutz beobachte den Verein nicht, gehe aber Hinweisen auf extremistische Bestrebungen weiter nach.cite-ref-rnd17dez2019-15-1[15]
Der MilitĂ€rische Abschirmdienst (MAD) sah seit 2018 âmögliche ExtremismusbezĂŒgeâ bei Uniter. Der MAD und der deutsche Verfassungsschutz grĂŒndeten 2019 eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu dem Verein. Sie soll Erkenntnisse zu dessen AktivitĂ€ten auswerten, da Uniter gezielt ehemalige Kommandosoldaten und frĂŒhere SEK-Mitglieder der Polizei anwirbt. Letztere darf der MAD nicht beobachten, wohl aber der Verfassungsschutz. Bis 19. Februar 2020 erklĂ€rte das BfV Uniter zum PrĂŒffall. Es durfte damit mögliche verfassungsfeindliche Tendenzen im Verein systematisch auswerten, aber keine Telefone ĂŒberwachen, V-Leute anwerben und sonstige nachrichtendienstliche Mittel einsetzen. Das BfV durfte nicht ĂŒber PrĂŒffĂ€lle informieren und bestĂ€tigte die entsprechende Einstufung Uniters daher nicht, erklĂ€rte aber auf Nachfragen: Man bewerte âfortlaufend verschiedene PersonenzusammenschlĂŒsse hinsichtlich des Vorliegens von tatsĂ€chlichen Anhaltspunkten fĂŒr eine Bestrebung gegen die freiheitlich demokratische Grundordnungâ.cite-ref-26[26]
Nach Bekanntwerden einer rechtsextremen Preppergruppe mit Kontakten zu Uniter fand das Geheimdienstgremium des Landtags Sachsen-Anhalt in einer vertraulichen Sitzung am 8. Juni 2020 heraus, dass der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt von der Preppergruppe und ihren BezĂŒgen zu Uniter und zur Landes-CDU bis dahin keine Kenntnisse hatte.cite-ref-27[27] Henriette Quade (Die Linke Sachsen-Anhalt) forderte, vollstĂ€ndig aufzuklĂ€ren, wie Uniter, das Hannibal-Netzwerk, Preppergruppen und rechtsextreme AktivitĂ€ten einzelner KSK-Elitesoldaten zusammenhĂ€ngen.cite-ref-28[28] Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht versprach, diese BezĂŒge durch Verfassungsschutz und MAD prĂŒfen zu lassen. Stahlknecht wurde jedoch zum rechten CDU-FlĂŒgel gezĂ€hlt, der mit der AfD öfter gemeinsam abstimmt.cite-ref-jw15jun2020-12-1[12] Die Staatsanwaltschaft Leipzig leitete Vorermittlungen zu Kontakten von Uniter-Mitgliedern mit rechtsextremen Preppern in Sachsen und Sachsen-Anhalt ein. Auch der Staatsschutz des Landeskriminalamts Sachsen befasste sich damit. Das Bundesverteidigungsministerium und der Bundeswehrreservistenverband versprachen AufklĂ€rung und baten die beteiligten Reservisten und die SchieĂsport-Verantwortlichen schriftlich um Stellungnahmen. Der PrĂ€sident der sĂ€chsischen Landesgruppe des Reservistenverbandes dagegen verteidigte die Prepper auf Facebook: âViel LĂ€rm um nichts! WĂ€hrend des Ansturms von Millionen von FlĂŒchtlingen aus Kriegsgebieten haben sich diese Spinner Gedanken gemacht, wie sie die Ausrottung der Deutschen ĂŒberleben können. Sie hatten weder vor, die Bundesrepublik abzuschaffen, noch wollten sie die AuslĂ€nder ausrotten.âcite-ref-taz12jun2020-11-1[11]
Seit Juni 2020 beobachtet das BfV Uniter als Verdachtsfall, weil sich âhinreichend gewichtige tatsĂ€chliche Anhaltspunkteâ fĂŒr rechtsextreme Bestrebungen des Vereins ergeben hatten. Dies gab BfV-Chef Thomas Haldenwang dem Parlamentarischen Kontrollgremium der Nachrichtendienste im Bundestag am 29. Juni 2020 bekannt. Er teilte ferner mit, das BfV versuche die GrĂŒnde fĂŒr die Auflösung des Vereins in Deutschland und seine NeugrĂŒndung in der Schweiz aufzuhellen. Laut MAD-Chef Christof Gramm arbeiteten MAD und BfV bei der Beobachtung des Vereins besonders eng zusammen. Er rĂ€umte dabei erstmals rechtsextreme âNetzwerke und Strukturenâ bei der Bundeswehr ein und sprach von insgesamt 30 VerdachtsfĂ€llen bei der Eliteeinheit KSK, zu der der VereinsgrĂŒnder Andre S. gehört hatte. Auch der Bundesnachrichtendienst (BND) befasste sich mit dem Verein. Mehrere Verfassungsschutzbehörden verfĂŒgen ĂŒber Hinweisgeber zu ihm.cite-ref-29[29] Gegen die Einstufung als Verdachtsfall durch den BfV reichte Uniter, vertreten durch die Kanzlei Höcker, eine Klage ein.cite-ref-30[30]
Seit 2024 wird die Vereinigung vom Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz als âgesichert rechtsextremistischâ eingestuft.cite-ref-0-4-1[4]
Entzug der GemeinnĂŒtzigkeit
Laut WDR und SĂŒddeutsche Zeitung entzog das Finanzamt in Stuttgart dem Verein im Herbst 2019 die GemeinnĂŒtzigkeit. Ein Widerspruch des Vereins wurde Mitte Februar 2020 zurĂŒckgewiesen. Auf eine Klage dagegen wollte der Verein verzichten, weil er mittlerweile in der Schweiz seinen Sitz habe und dort als gemeinnĂŒtzig anerkannt sei. Der deutsche Verein befinde sich bereits in der Auflösung.cite-ref-tagesschau28feb2020-3-1[3]
Proteste
Die Vereinigten GroĂlogen von Deutschland e. V. distanzierten sich 2019 von Uniter und veröffentlichten eine UnvereinbarkeitserklĂ€rung. Ăber den Umgang mit Unitermitgliedern entscheiden jedoch die einzelnen GroĂlogen.cite-ref-taz2-2-4[2]
In Rotkreuz demonstrierten am 1. MĂ€rz 2020 Jungsozialisten des Kantons Zug gegen Uniter. Die Kantonratsfraktion der Alternative â die GrĂŒnen Zug verlangte mit einer Interpellation, rechtsextreme BezĂŒge des Vereins zu auch den Nachrichtendienst des Bundes (NDB) zu prĂŒfen, und Auskunft, wer die Polizei und Regierung des Kantons ĂŒber den Vereinsumzug informiert habe, ob sie die EinschĂ€tzung des deutschen Verfassungsschutzes teilten, wie der Kantonsrat die Gefahr rechtsextremer AnschlĂ€ge in Zug und der Schweiz einschĂ€tze. Der Schweizer NDS schĂ€tzt Uniter bisher nicht als gefĂ€hrlich ein.cite-ref-31[31]
Strafverfolgung
Zwei Vereinsmitglieder, die als Polizisten im PolizeiprĂ€sidium Potsdam tĂ€tig waren, stellten dort mehr als 100 unzulĂ€ssige Datenabfragen ohne Bezug zu ihren beruflichen Aufgaben. Einer der beiden stellte 17 Abfragen zum GrĂŒnder von Uniter Deutschland und elf Abfragen zur eigenen Person und zu seiner LebensgefĂ€hrtin. Sein Kollege stellte demnach 90 Abfragen ohne direkte dienstliche BezĂŒge. Dies ergaben Stichproben der internen Revision. Beiden Polizisten wurden die Zugriffsrechte entzogen, Disziplinarverfahren wurden gegen sie eingeleitet und die Staatsanwaltschaften von Neuruppin und Frankfurt (Oder) wurden gebeten, ihr Verhalten strafrechtlich zu prĂŒfen. Weil den Drohmails des âNSU 2.0â seit 2018 mehrmals unzulĂ€ssige Datenabfragen von Polizisten vorausgegangen waren, entstand der Verdacht eines rechtsextremen Netzwerks in der Polizei Hessen. Datenmissbrauch bei der Polizei wird daher auch in anderen BundeslĂ€ndern strenger als frĂŒher beobachtet.cite-ref-32[32]
Im Sommer 2018 hatte AndrĂ© S. (âHannibalâ) fĂŒr eine Gruppe des Vereins Uniter einen paramilitĂ€rischen Kurs auf einem ĂbungsgelĂ€nde in Mosbach durchgefĂŒhrt. Ende 2019 und Anfang 2020 durchsuchten Ermittler die Wohnungen derjenigen Teilnehmer des Kurses, die sie identifizieren konnten. In der Wohnung von AndrĂ© S. fanden sie illegale Ăbungshandgranaten und Nebelpatronen. Anfang 2020 verurteilte das Amtsgericht Böblingen ihn dafĂŒr zu einer Geldstrafe. Damit drohte ihm der Verlust seines Rechts auf legalen Waffenerwerb und Anmelden eines Sicherheitsgewerbes. Er legte Berufung ein. Im Oktober 2020 erlieĂ das Amtsgericht Mosbach Strafbefehle gegen AndrĂ© S. und fĂŒnf weitere Teilnehmer jenes Kurses wegen VerstöĂen gegen das Waffengesetz. Sie erhielten Geldstrafen dafĂŒr, dass sie ohne Erlaubnis des Betreibers auf dessen GelĂ€nde mit Airsoftwaffen ein SchieĂtraining durchgefĂŒhrt hatten. Das Gericht warf AndrĂ© S. âvorsĂ€tzlich unerlaubtes FĂŒhren von Schusswaffenâ, einem Organisator des Trainings Beihilfe dazu, den Teilnehmern fahrlĂ€ssige Benutzung der an sich legalen Waffen vor. Alle Teilnehmer legten Einspruch gegen die Strafbefehle ein und wurden daraufhin angeklagt. Bei zwei Angeklagten wurden bei weiteren Hausdurchsuchungen unter anderem verbotene Messer, Nebel- beziehungsweise Rauchkartuschen und eine Blendgranate gefunden. Daraufhin wurden sie zusĂ€tzlich wegen âErwerb und Besitz verbotener Waffenâ und dem âunerlaubten Umgang mit explosionsgefĂ€hrlichen Stoffenâ angeklagt.cite-ref-33[33]cite-ref-34[34]
Weblinks
âą Offizielle Website von Uniter
âą Artikel-Dossier der taz
âą Philip Oltermann, Janina Findeisen: More members of Angela Merkelâs party found to have âprepperâ links. In: The Guardian, 18. Dezember 2019.
Einzelnachweise
cite-note-taz1-11. â Hannibals Verein. taz, 21. Dezember 2018; Martin Kaul, Christina Schmidt: Rechtes Netzwerk in der Bundeswehr: Hannibals Schattenarmee. taz, 16. November 2018
cite-note-taz2-22. â Sebastian Erb: Uniter-Mitgliedschaft von Robert Möritz: Ein obskurer Verein. taz, 18. Dezember 2019
cite-note-tagesschau28feb2020-33. â Martin Kaul: Entscheidung des Finanzamts - Uniter verliert GemeinnĂŒtzigkeit. Tagesschau.de, 28. Februar 2020
cite-note-0-44. â Philipp Reichert und David MeilĂ€nder SWR: Prepper-Netzwerk - Kaffee fĂŒr den Untergang. Abgerufen am 22. April 2025.
cite-note-taz3-55. â Sebastian Erb, Martin Kaul, Alexander Nabert, Sabine Schmidt: taz-Recherche zu rechtem Netzwerk: Hannibals Reisen. taz, 15. MĂ€rz 2019
cite-note-mdr-100-66. â MitbegrĂŒnder von Uniter: NSU-Ausschuss lĂ€dt Vorgesetzten von Kiesewetter vor. MDR, 13. MĂ€rz 2019
cite-note-taz4-77. â Sebastian Erb, Christina Schmidt: Was wusste Ringo M.? taz, 4. April 2019
cite-note-88. â Christoph Schmidt: Rechte Szene: Uniter-MitbegrĂŒnder arbeitet jetzt bei der Kriminalpolizei. Spiegel, 6. MĂ€rz 2020
cite-note-99. â Christchurch-AttentĂ€ter bezog sich auf rechte Soldaten in Bundeswehr â deren Netzwerk fĂŒhrt nach Ăsterreich. Standard.at, 15. MĂ€rz 2019
cite-note-1010. â Timo Lehmann: CDU-Mann mit rechtsextremer Vergangenheit: Sachsen-Anhalts SĂŒndenfall. Der Spiegel, 15. Dezember 2019
cite-note-taz12jun2020-1111. â Sebastian Erb, Christina Schmidt: taz-Recherche ĂŒber Rechtsextreme: BestĂŒrzung ĂŒber Prepper-Gruppe. taz, 12. Juni 2020
cite-note-jw15jun2020-1212. â Susan Bonath: Netzwerke: Stahlknechts brauner Anhang. Junge Welt, 15. Juni 2020
cite-note-1313. â Aline Wobker, Jens Schmidt: CDU-Austritt nach âSieg Heilâ-Chat. Volksstimme, 12. Juni 2020
cite-note-1414. â Helene Schreiner: Sachsen-Anhalt: âEin ganz neues Profil rechtsextremer Strategienâ. DLF, 10. Juni 2020
cite-note-rnd17dez2019-1515. â Markus Decker: Rechtsextremismus-Verdacht: Ex-CDU-Stadtrat war Vizechef von Uniter. RND, 17. Dezember 2019
cite-note-1717. â CDU-Politiker verteidigt ursprĂŒngliche âUniterâ-GrĂŒndung. MDR, 18. Dezember 2019
cite-note-1818. â Janina Findeisen, Martin Kaul: FĂŒhrungsmitglieder ausgetreten: ZerwĂŒrfnis bei Uniter. Tagesschau.de, 20. Dezember 2019
cite-note-1919. â Harry Ziegler: Umstrittener Verein «Uniter» zieht nach Rotkreuz. Luzerner Zeitung, 27. Februar 2020
cite-note-2020. â FrĂŒher bei Uniter aktive Polizisten sollen in Datenbanken geschnĂŒffelt haben. Spiegel online, 19. Mai 2020
cite-note-2121. â Janina Findeisen, Herbert Kordes, Julia Regis: Uniter: ParamilitĂ€risches Training fĂŒr Zivilisten? WDR / Monitor, 5. Dezember 2019
cite-note-2222. â Pressemappe: Der Verein
cite-note-2323. â Sebastian Erb, Christina Schmidt, Daniel Schulz: Interne Dokumente des Vereins Uniter - Rotwein aus dem SchĂ€del. Die Tageszeitung, 24. Februar 2020
cite-note-2424. â Hans-Martin Tillack: Rechtes Netzwerk: Verein des Soldaten "Hannibal" lud zu offenbar ungenehmigten SchieĂĂŒbungen. Stern.de, 6. August 2019
cite-note-2525. â Der Spiegel Nr. 14/2019, S. 21
cite-note-2626. â Wolf Wiedmann-Schmidt: Uniter: Verfassungsschutz macht umstrittenen Verein zum "PrĂŒffall". Spiegel online, 19. Februar 2020
cite-note-2727. â Jan Schumann: Prepper-Netz: Behörden ahnungslos: CDU-Chef Stahlknecht prĂŒft Verbindung in die Partei. Mitteldeutsche Zeitung, 8. Juni 2020
cite-note-2828. â Nach Nazi-Chat: MehliĂ tritt aus der CDU aus. MDR, 12. Juni 2020
cite-note-2929. â Sebastian Erb: Uniter und der Verfassungsschutz: Jetzt offiziell Verdachtsfall. taz, 29. Juni 2020
cite-note-3030. â Uniter klagt gegen Verfassungsschutz, vom 15. Juni 2021
cite-note-3131. â Harry Ziegler: Verein Uniter ruft die Zuger Politik auf den Plan. Luzerner Zeitung, 2. MĂ€rz 2020
cite-note-3232. â Polizisten mit Uniter-Vergangenheit stellten ĂŒber 100 dubiose Datenabfragen. RND, 22. Juli 2020
cite-note-3333. â ParamilitĂ€risches Training von Uniter: âHannibalâ soll Strafe zahlen. taz, 14. Oktober 2020
cite-note-3434. â S. W. R. Aktuell, S. W. R. Aktuell: Strafbefehle wegen unerlaubter SchieĂĂŒbung. Abgerufen am 3. April 2021.